Etwas überraschend hat Epic Games einen ersten Blick auf die kommende Unreal Engine 5 ermöglicht. Mittels der Techdemo „Lumen im Land der Nanite“ will man Fotorealismus in Echtzeit auf dem Niveau von CG-Filmen erreichen – und hat sich Sony mit der PS5 als Videopartner ausgesucht.

PS5 auf UE5: Da scheint zusammenzukommen, was zusammen gehört – zumindest in der Nummerierung. Doch ganz so schnell wird die Unreal Engine 5 nicht kommen, auch wenn die laut Epic Games in Echtzeit gerenderte und nun als Video veröffentlichte Techdemo durchaus sehenswert ist – und sehr stark an Lara Croft erinnert.

Unreal Engine 5: Nanite und Lumen

Epic Games hat Großes vor mit der Unreal Engine 5. Mal will mit der nächsten Engine-Generation nicht weniger als „Fotorealismus auf dem Niveau von Film-CG und realem Leben“ erreichen – und das will man mit „hochproduktiven Werkzeugen und Inhaltsbibliotheken in praktische Reichweite von Entwicklungsteams jeder Größe bringen“.

Zwei Kerntechnologien stehen im Fokus der Techdemo: Nanite und Lumen. Nanite soll als Mikropolygon-Engine so viele geometrische Details schaffen, wie das Auge sehen kann, und damit bekannte Level-of-Detail-Systeme abschaffen. Per Nanite virtualisierte Geometrie soll Hunderte von Millionen (oder gar Milliarden) an Polygonen als Ausgangsmaterial, die direkt in die Unreal Engine importiert werden, ermöglichen. Nanite-Geometrie soll in Echtzeit gestreamt und skaliert werden, sodass es keine Polygonbudgets, Polygonspeicher-Budgets oder Draw Counts mehr gibt; es sei nicht notwendig, Details in Normalmaps zu „backen“ oder LODs manuell zu erstellen.

Doch Details sind nicht alles und somit steht auch die Beleuchtungs-Engine Lumen im Fokus der Demo, die volldynamisch eine Globale Beleuchtung ermöglichen soll. Das System rendert diffuse Interreflexion mit unendlichen Reflexionen und indirekte Spiegelreflexionen in großen, detaillierten Umgebungen – in Maßstäben von Kilometern bis zu Millimetern. Entwickler können damit den Sonnenwinkel je nach Tageszeit ändern, eine Taschenlampe einschalten oder ein Loch in die Decke blasen, und die indirekte Beleuchtung passt sich entsprechend an. Lumen soll es überflüssig machen, auf das „Backen“ von Lightmaps zu warten.

UE5: Wann kommt die Engine?

Laut Epic Games haben sich zahlreiche Teams und Technologien sich zusammengefunden, um diesen Qualitätssprung zu ermöglichen. Zum Einsatz die Quixel Megascans-Bibliothek, die Objekte in Filmqualität bis zu Hunderten von Millionen von Polygonen liefert. Hier kommt auch ein Hinweis auf die PS5, die „eine drastische Erhöhung der Speicherbandbreite“ größere und detaillierte Szenen als bei früheren Generationen unterstützen soll. In der Techdemo kommen auch Module aus der aktuellen Unreal Engine 4.25 zum Einsatz, darunter Niagara VFX, Chaos Physics und andere Technologien. Diese Engine-Version unterstützt auch schon die PS5 sowie Xbox Series X und wird auch in der Spieleentwicklung von Next-Gen-Titeln zum Einsatz kommen. Denn: Die Unreal Engine 5 wird Anfang 2021 zuerst in einer Preview und erst Ende 2021 in der Vollversion verfügbar sein. Dann unterstützt sie Konsolen der nächsten Generation, der aktuellen Generation, PC, Mac, iOS und Android.

PS5: „Den PCs ziemlich weit voraus“

Etwas mehr Einblicke in die Unreal Engine 5 liefert ein Artikel von Eurogamer. So beinhalte die Demo „Lumen im Land der Naniten“ die Nahaufnahme einer Statue, die aus 33 Millionen Dreiecken mit 8K-Texturen gebaut wurde. In einem anderen Raum der Demo gibt es fast 500 der gleichen Statuen, die alle in der gleichen maximalen Qualität gezeigt werden. Das seien insgesamt 16 Milliarden Dreiecke. Einfach ausgedrückt wird die Szene durch die UE5 auf einer Dreieck-pro-Pixel-Basis gerendert, wobei der Benutzer nur das sieht, was er sehen muss.

Um einen solchen Detailgrad zu erreichen, brauche es nicht nur eine extrem starke Grafikkarte, sondern auch die Fähigkeit, die Geometrie auch effizient zu laden und zu streamen. Eine der großen Anstrengungen, die im Rahmen von Unreal Engine 5 unternommen wurden, sei deshalb die Optimierung für Speicher der nächsten Generation, um das Laden um ein Vielfaches der aktuellen Leistung zu beschleunigen. Sony leiste hier mit der PS5-Architektur „Pionierarbeit“ und sei mit dem Speichersystem „den PCs ziemlich weit voraus“. Mit einem High-End-PC inklusive NVMe-SSD hätte man „aber auch eine sehr gute Performance“.